eMail an Prof. Thomas Kuczynski

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gesendet am 3.5.2018
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Betreff: Artikel „Inwertsetzung der Natur“ im ZME Heft 113, S. 85-88 von Thomas Kuczynski

Liebe ZME-Redaktion,
können Sie diese eMail bitte an Herrn Prof. Thomas Kuczynski weiterleiten?

Sehr geehrter Herr Kuczynski,

ich nehme Bezug auf Ihren Artikel „Inwertsetzung der Natur“ im ZME-Heft 113, S. 85-88 und jetzt besonders auf Ihre Fußnote 12. Ein Modell mit den Grundeinheiten ökonomischer Größen liegt bereits vor (siehe Anhang). Bitte verzeihen Sie einem Naturwissenschaftler, daß er andere Termini benutzt als Sie, aber was Sie unter ´Dimension´ verstehen, ist in der Physik eine Basisgröße (nämlich die Zeit). Ich denke aber, daß wir irgendwo eine gemeinsame Verständigungsbasis finden werden. Die ´Grundeinheiten ökonomischer Größen ´ habe ich auch als Download in ´s Internet gestellt, die wichtigsten Passagen habe ich aus Urheberrechtsgründen notariell beglaubigen lassen.

Wenn Sie gestatten, möchte ich noch ein paar kurze Anmerkungen zu Ihrem Artikel in der ZME 113 machen. (Kurz deshalb, weil ich auf meiner Webseite bereits ausführlich darauf eingegangen bin.)

Als erstes fiel mir auf, daß Sie genau wie Marx keine saubere Trennung zwischen den verschiedenen Größen Produktwert, Gebrauchswert und Tauschwert machen. Die naturwissenschaftlich konsistenten Definitionen finden sie unter folgenden Links: 1, 2, 3. Auch hier eine kleine begriffliche Änderung: Das, was Sie als Arbeitswert bezeichnen, bezeichne ich als Produktwert. Ob der eine Begriff besser ist als der andere, mögen die Leser entscheiden. Der Begriff ´Arbeitswert´ wird von Ihnen im Sinne einer Größe verwendet. Der Begriff ´Arbeit´ wird in der Ökonomie aber im Sinne von einer menschlichen Tätigkeit verwendet (siehe Definition), und eine Tätigkeit ist keine Größe. Aus diesem Grunde hatte ich mich vor vielen Jahren für den Begriff Produktwert entschieden.

Als nächstes fiel mir auf, daß Sie keine saubere Trennung zwischen den Begriffen Arbeit, Arbeitsaufwand und Arbeitszeit machen. Zunächst darf ich Ihre Ausführungen im dritten, vierten und fünften Satz auf Seite 85 (1. Absatz) wie folgt übersetzen: Alle Dinge, in denen keine Sekunde menschliche Arbeit steckt, haben keinen Produktwert. Erst in dem Moment, wo sie von der Hand eines Menschen oder einem von ihm geschaffenen Arbeitsmittel berührt wurden, erhalten sie einen Produktwert. Die Einheit der Größe Produktwert ist eine Zeiteinheit.

Als nächstes schreiben Sie:

  1. „…, der Wert einer Sache wird durch die in ihr vergegenständlichten Durchschnittsarbeit bestimmt.“ (S. 86) Arbeit ist aber etwas anderes als Arbeitszeit.
  2. „Der Reproduktionswert ist Ausdruck des für die Herstellung erforderlichen Arbeitsaufwandes.“ Unter Arbeitsaufwand (schnell, langsam, leicht, anstrengend, kompliziert, einfach, schwer, …) versteht man im allgemeinen aber etwas anderes als unter Arbeitszeit!!!

Die naturwissenschaftlich konsistenten Definitionen für Arbeit und Arbeitszeit finden sie unter folgenden Links: 1 und 2.

Als nächstes fiel mir der uralte, aristotelische und von Marx übernommene Kategorienfehler auf, daß der Wert das Gleiche wie der Preis sei: „Nimm an, dem Pfund Baumwolle für 6 d … wird ein Wertteil von 1 sh zugefügt.“ 1 Pfd Baumwolle, 6 Penny und 1 Shilling sind reale Mengen, Wert und Arbeitszeit sind Größen. Mengen und Größen sind definitiv nicht das Gleiche, es sind vollkommen unterschiedliche Kategorien. Reale Mengen (1 Pfd Baumwolle, 6 Penny, 1 Shilling) sind nicht das Gleiche wie deren Eigenschaften (Masse, Volumen, …, Produktwert) – das ist ein grundlegendes, naturwissenschaftlich anerkanntes Prinzip! Gegen dieses Prinzip verstößt die Marxsche Äußerung „Der Produktionspreis einer einzelnen Ware wird nicht allein durch den Wert der besonderen Ware bestimmt, sondern durch den Wert aller Waren“, weil der Preis eine Menge ist und der Produktwert eine Größe.

Ihre weiteren Ausführungen zur Addition der einzelnen Arbeitszeiten zur Bestimmung des Reproduktionswertes hatte Marx schon mit der Übertragung von Produktwerten in der Produktion postuliert. Ich habe diesem Postulat den Untergang von Produktwert in der Konsumtion hinzugefügt. Wenn Sie wollen, suche ich Ihnen die entsprechenden Passagen noch heraus.

Über eine gelegentliche Rückmeldung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen und verbleibe

Mit vielen freundlichen Grüßen