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Inwertsetzung der Natur

Im Zusammenhang mit ökologischen Krisen wurde über den Wert der Natur geschrieben (siehe Thomas Kuczynski, 2007).
Setzt der ´Wert der Natur´ ein ´Inwertsetzen der Natur´ voraus? Ich meine NEIN. Mit ´Wert der Natur´ ist etwas anderes gemeint, als mit ´Inwertsetzung der Natur´ (zur Analyse des Terminus ´Inwertsetzung´ siehe Lexoekon).

Wert der Natur

Die Natur hat von sich aus einen Gebrauchswert für den Menschen. (Zur Definition der Größe Gebrauchswert siehe konsIkon.) Die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken, die Sonne zur Erwärmung. Eigentlich muß man den kausalen Zusammenhang an dieser Stelle anders herum betrachten: ohne die momentanen, irdischen Bedingung gäbe es keinen Menschen. Gäbe es keine Atmospäre mit Sauerstoff könnten wir nicht atmen, wenn es so kalt wäre wie auf dem Mond, wäre alles Wasser gefroren. Die momentanen irdischen physikalischen Bedingungen sind die Voraussetzung für das Lebewesen Mensch (siehe das Buch „Die Allmacht der Materie“). Der Mensch ist aus pysiologischer Sicht die Summe einer Vielzahl von Gleichgewichtssystemen lebt. Sobald sich der Arbeitspunkt eines Gleichgewichtssystemes verschiebt, geraten alle anderen GGS durcheinander. Den Beibehalt eines Gleichgewicht nennen wir auch Bedürfnis. Gerät der Sauerstoffgehalt im Blut unter einen bestimmten Wert, müssen wir einatmen, gerät der CO2-Gehalt im Blut über einen bestimmten Wert, müssen wir ausatmen.

Zerstörung der Natur

Kann der Mensch die Natur zerstören? In gewissen Grenzen schafft er es bestimmt, die Natur als großes Ganzes schafft er garantiert nicht. Interessant ist sicher der Standpunkt, daß es der Natur völlig egal ist, in welchem Zustand sie sich befindet. Der Erde ist es völlig egal, ob eine Eiszeit herrscht und alle Kontinente mit einer kilometerdicken Eisschicht bedeckt sind – nur für den (oder die) Menschen ist es nicht egal. Diese, trotz allem natürlichen Bedingungen entsprechen dann lediglich nicht mehr seinen Existenzbedingungen.

Naturzerstörung und Gesellschaftssystem

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gesellschaftssystem und Naturzerstörung, wie manche Autoren behaupten? Siehe dazu z.B. Thomas Kuczinski: „Die Erde verwandelt sich unter der Herrschaft des Kapitals in eine Sphäre der Unvernunft, weil die kapitalistische Produktionsweise allen stofflichen Reichtum untergräbt.“ (Q: ZME, Heft 113, 2018, S. 86)
Wer zu Zeiten des Sozialismus in Bitterfeld oder Ronneberg gewohnt hat, sieht garantiert einen anderen Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Gesellschaftsordnung. Die Umweltbedingungen sind im deutschen kapitalistischen Wirtschaftssystem deutlich besser als im ehemaligen sozialistischen.

Inwertsetzung

Nachdem Herr Kuczynski seinen Ärger über das Kapital Luft gemacht hat, fordert er uns zu einem tieferen Durchdenken der Marxschen Werttheorie auf und will uns auf einen Unterschied zwischen „der Wert einer Sache wird durch die in ihr vergegenständlichte Durchschnittsarbeit“ und „der Wert einer Ware ist … durch das Quantum der zu ihrer Produktion notwendigen lebendigen Arbeit“ aufmerksam machen. (S. 86)

Ich möchte den Leser auf einen ganz anderen Sachverhalt aufmerksam machen: Herr Kuczynski hat von einem zum anderen Satz (ohne jede Vorankündigung) die Größen gewechselt. Hat er weiter oben noch den Gebrauchswert der Natur gemeint, ist er im nächsten Satz auf einmal zum Produktwert der Waren übergegangen. Erstens gibt es zwischen beiden Größen überhaupt keinen Zusammenhang, sie sind so unabhängig voneinander wie Blutdruck und Schuhgröße. Zweitens weitet er mit der Verwendung des Begriffes ´Waren´ seine Betrachtung implizit auch auf den Austausch aus – und müßte dann noch auf den Tauschwert eingehen. Da die Marxschen Wertdefinitionen nicht stimmig sind, und zu mehr Konfusionen führen als zur Erkenntnis, klammert Herr Kunczynski den Tauschwert vorsichtshalber gleich mal aus (Fn 2, S. 85)

Das die marxistischen Ökononem nicht zwischen 3 verschiedenen Größen unterscheiden können, beweise folgender Aussage: „Die Beispiel zeigen übrigens in aller Deutlichkeit, daß die Eigenschaft, etwas wert zu sein, den Dingen nicht von Natur aus zukommt, sondern von der Gesellschaft selbst produziert wird.“ So ein Unfug! Das Tageslicht der Sonne befriedigt menschliche Bedürfnisse und hat damit einen Gebrauchswert für alle Menschen, die Luft zu atmen befriedigt ein menschliches Bedürfnis und hat damit einen Gebrauchswert für alle Menschen. Sowohl diese Dinge, als auch der Gebrauchswert dieser Dinge wird doch nicht durch die Gesellschaft produziert!

Verschmutzt die Menschen aber ihre natürlichen Ressourcen so sehr, daß sie z.B. Klärwerke bauen müssen, damit der Bodensee wieder saubers Wasser hat, dann hat dieses Wasser auf einmal auch einen Produktwert bekommen.

Als nächstes wiederholt er ohne eigenes Nachdenken den uralten aristotelischen Unfug von der Gleichsetzung unterschiedlicher realer Mengen (1 Pfund Baumwolle = 6 Penny), weil er sich nicht über den Unterschied von realer Menge und deren Eigenschaften (ausgedrückt durch Größen) im klaren ist. Der Preis (6 Penny) ist eine reale Menge und kann damit kein ´Wertteil´ sein. Den kategorischen Unterschied zwischen Menge und Größe hat schon sein Meister nicht begriffen: „Der Produktionspreis einer einzelnen Ware ist nicht bestimmt durch den Wert der besonderen Ware, sondern durch den Wert aller Waren.“ (Q: T Kuczynski, ZEM Heft 113, 2018, S. 88) – und Herr Kuczynski plappert ihn ohne nachzudenken nach.